Zur Geschichte der Sozialdemokratie in Berga/Elster

Video zu 120 Jahre Sozialdemokratie in Berga/Elster
Vorwort
Die Geschichte der Sozialdemokratie in Berga ist eng mit der allgemeinen Geschichte der SPD verknüpft (Wikipedia) und hat eine über hundertjährige Tradition . Aus den handschriftlichen Aufzeichnungen der Genossen Johann Ottenschläger und Max Maier vom 2.April 1958, gesammelt vom Ortschronist Klaus Blam, geht hervor, dass der Bestand der Sozialdemokratie ständig mit Kampf und Aufopferung verbunden war und daraus in Berga für die damalige Zeit fortschrittliche Errungenschaften (Konsumgenossenschaft, Wohnungsgenossenschaft) entstanden, die bis in unsere Zeit wirken. Hierin wollen wir unseren Vorkämpfern danken. In unserem kleinen Abriss greifen wir auf die o. g. Aufzeichnungen zurück, da die Archive der SPD zur Nazizeit vernichtet wurden (Ermächtigungsgesetz) und untermauern sie mit Fakten aus dem Stadtarchiv.

1890
In der Februarausgabe der Bergaer Zeitung erster Hinweis auf eine sozialdemokratische Organisation ".... in unserem Städtchen sozialdemokratische Flugblätter und Stimmzettel für den Arbeiterkandidaten ausgetragen" (Reichstagswahl), obwohl de facto ein Parteiverbot bis September besteht (Sozialistengesetz). Es muss eine gewisse Organisation vor 1890 bestanden haben. Wahlergebnis: Dr. Mittenzwei 70, Wisser 71, soziald. Leutert 45 Stimmen (Bergaer Zeitung Nr.22/1890).

1895
Bericht von einer Volksversammlung im Zollhaus, Referent ist der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete August Baudert, Apolda. Sie schließt kurz nach 11 Uhr mit dem in Zusammenkünften der Sozial- demokratischen Partei üblichen Ruf: "Hoch auf die Sozialdemokratie" (Bergaer Zeitung Nr.68/1895).

1898
Im Vorfeld der Reichstagswahl wird in der Bergaer Zeitung (Nr.62/1898) berichtet: „Die Sozialdemokratie bringt erfahrungsgemäß den letzten Mann an die Wahlurne“, was sich dann auch im Wahlergebnis niederschlägt, für soziald. Leutert 149, für bürg. Bassermann 102 Stimmen (Bergaer Zeitung Nr.75/1898).

1903
Aus Berga werden 5 Arbeiter mit einen Strafmandat belegt , die Flugblätter des sozialdemokratischen Reichstagskandidaten Leutert verteilen. Sie werden später vom Schöffengericht Weida freigesprochen (Bergaer Zeitung Nr.69/1903).

1919
Am 23. März 1919 sind als Gemeinderatsmitglieder 7 Sozialdemokraten (darunter eine Frau!) und 3 Bürgerliche gewählt worden.
Johann Ottenschläger, Weber; Hugo Oschatz, Schriftsetzer; Wilhelm Phenn, Schumachermeister; Anna Peine, Hausfrau; Bernhard Hölzel, Lagerhalter; Felix Rietzold, Dachdeckermeister; Ernst Ettler, Mühlenarbeiter (SPD); Kommerzienrat Ernst Engländer; Richard Weiße, Gastwirt und Landwirt;
Dr. Eduard Lücker, Apotheker (Bürgerliche) (Bergaer Zeitung Nr.36/1919).

Sozialdemokratische Vertreter der 20er Jahre in Berga/Elster

Sozialdemokratische Vertreter der 20er Jahre in Berga/Elster
Von links nach rechts: Gustav Fiedler, Stadtrat: Kandidatur 1928 Johann Ottenschläger, Gemeinderat: 1919, 1922, 1925, 1933... Kreisrat: 1925 Paul Meißner, Stadtrat: Kandidatur 1928 , Stadtrat 1933, Walter Dietsch, kandidiert 1922, 1928, Gemeinderat: 1925, Stadtrat: 1933 Bruno Grimm , Erwähnung als Beigeordneter des Bürgermeisters 1925 (Nr.17 / 1925) Kurt Bräunlich, kandidiert 1922, 1928, Gemeinderat: 1925 Walter Bäßler, kandidiert 1922, 1928 , Gemeinderat: 1925

 

1931

1931 Die neue Post
1931 Neue Post

Artikel zu Berga/Elster in der SPD Monatszeitschrift „Volk und Zeit“ Nr.4/1931
Berga a. d. Elster
Das kleine Städtchen Berga a. d. Elster mit 1875 Einwohnern, an der Bahnlinie Gera?Weischlitz gelegen, hat in der Nachkriegszeit Vorbildliches geleistet, um der Wohnungsnot ein Ende zu machen. In den Jahren um 1900 von einer kleinen Handwerkerstadt zur Industriestadt geworden, welche ihre Erzeugnisse (Seidenstoffe) heute in alle Weltteile versendet, hat sie sich auch infolge des Einflusses der Industriearbeiterschaft, auf allen Gebieten des kommunalen Lebens, zu ihrem Vorteil gewandelt. Arbeitersport und Gesangvereine und eine rührige Ortsgruppe der SPD. beeinflussen heute im stärksten Maße das öffentliche Leben. Auch im Gewerkschaftsleben steht Berga mit in vorderster Linie. Zwei Bilder sollen davon Zeugnis legen, das im Jahre 1928 errichtete Gebäude der Konsumgenossenschaft und die im Jahre 1929 fertiggestellte Siedlung des Bau? und Sparvereins mit ihren 32 vorbildlichen Wohnungen. Verkehrspolitisch von außerordentlichem Wert ist der im Jahre 1928 durch die Stadtgemeinde, ausgeführte Postneubau im Heimatstil mit Selbstanschlußamt. Er betont ganz besonders eine gute Entwicklung des Städtebaues auch in einem kleinen Städtchen. Die Anlage eines automatischen Delphinpumpenwerkes zur Trinkwasserversorgung, ebenso die Durchführung von Straßen und der Ausbau des elektrischen Leitungsnetzes in den Jahren 1927/28 lassen deutlich erkennen, daß der Entwicklung Bergas auf Jahre die Wege bereitet sind. Seit Kriegsende wurden, nach mehr oder weniger heftigen Kämpfen im Stadtrat, von der Stadtgemeinde 5 Wohnhäuser mit zusammen 28 Wohnungen errichtet. Mit fast ausschließlich städtischen Mitteln und durch zur Verfügungstellen von Baugelände zu günstigen Bedingungen entstanden durch Private 13 Wohnhäuser mit 22 Wohnungen. Auch die Industrie hat, wenn auch als anderen Motiven, durch Neubau von 7 Wohnhäusern mit 30 Wohnungen wesentlich zur Behebung der Wohnungsnot beigetragen. Trotz alledem ist aber in Berga noch keineswegs die Wohnungsnot behoben und es werden auch noch Jahre vergehen, bis jeder Wohnungssuchende im Besitz einer dem heutigen Kulturmenschen zukommenden Wohnung sein wird. N.

 


Konsum 1931

 

1933
Die erste Sitzung des Stadtrates findet am 5. Januar statt.
Die SPD ist nur noch mit 3 Mandaten vertreten (Bergaer Zeitung Nr.3/1933).
Am7. Juni wurden per Verordnung die SPD-Mandate für ungültig erklärt und Bruno Grimm als Beigeordneter und Kämmerer seines Amtes enthoben.

1945
Am17.4.1945 steht vor den Toren Bergas die 89.US-Inf.-Division. Berga ist in den Verteidigungszustand versetzt.

Wiederum sind es noch anwesende ehemalige SPD Genossen, die unter Einsatz von Gesundheit und Leben dazu beitragen, das Schlimmste für die Bergaer Bevölkerung zu verhindern.

Walter Dietsch überreicht im Morgengrauen des 16.5.1945 der an der Auffahrt zum Schloss stehenden Panzerspitze das Dokument über die zugesicherte kampflose Übergabe der Stadt Berga (Bergaer Zeitung Nr.7 1995)!

1946
In der Neiderschrift über die erste Sitzung des neu benannten Beirates der Stadt Berga am 18.Juni 1946 sind die ehemaligen SPD-Genossen Johann Ottenschläger, Walter Dietsch und Paul Meißner genannt.

Unterzeichner ist das ehemalige SPD- Mitglied Bruno Grimm als Bürgermeister, der von den Amerikanern eingesetzt und von den Sowjets bestätigt wird.

1989
Das ehemalige Mitglied der SPD, Franz Kautek, stellt sich der Demokratiebewegung zur Verfügung und wird am 1.12. Mitglied in der Sozialdemokratischen Partei. Auf sein Anraten und Bemühen gründet sich am 2. Februar 1990 der Ortsverein der Sozialdemokratischen Partei in der DDR (SDP, später SPD) in Berga.
Gründungsmitglieder sind:
Hermann Engelhardt, Franz Kautek; Reinhard Menning, Hermann Möckel, Gabriele Pinther, Eberhard Rödling, Malwine Schubert, Kurt Serwotke
(Sitzungsprotokoll 02.02.1990).

Wir danken den ehrenamtlichen Helfern des Stadtarchivs Berga/Elster, für die freundliche Unterstützung zur Recherche !

1990
Am 06.05.1990, die erste Kommunalwahl der Nachwendezeit!
Von den 19 Sitzen des Bergaer Stadrates, gehen 8 an die SPD.
In den Kreistag wird Malwine Schubert gewählt.
Am 22.05.1990 wird in der konstituierenden Sitzung,
Wilhelm Schubert (SPD-Liste), mit 18 von 19 Stimmen, zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt.

Die SPD Stadtverordneten zur Bürgermeisterwahl am 14.06.1990

1990 Gemeindvertreter der SPD
Von rechts nach links: Franz Kautek, Kurt Serwotke, Dr. Klaus Brosig, Edda Stieler, Ingrid Wiese, Bernhard Roßner, Knut Kracik

(Foto Hermann Möckel)

 

Einsatz der ersten Fördermittel für unsere Stadt

Thälmannstraße vor und nach der Sanierung
Die Thälmannstraße im Bild (links) unsaniert und im Bild (rechts) nach der Sanierung in den 90igern.

 

Brauhausstraße vor und nach der Sanierung
Die Brauhausstraße im Bild (links) unsaniert und im Bild (rechts) nach der Sanierung in den 90igern.

 

Markersdorfer Weg vor und nach der Sanierung
Der Markersdorfer Weg im Bild (links) unsaniert und im Bild (rechts) nach der Sanierung in den 90igern.

 

2008

07.07.2008 Klausurtagung der SPD Landtagsfraktion in der Chlodramühle Berga/Elster mit Christoph Matschi und örtlichen Kommunalvertretern.
07.07.2008 Klausurtagung der SPD Landtagsfraktion in der Chlodramühle Berga/Elster mit Christoph Matschi und örtlichen Kommunalvertretern.

 
 

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